Google Now Cards: Was ist das eigentlich?

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Würde die Frage im Titel heißen „Wie sind Google Now Cards?“  könnte ich einfach mit „super“ antworten und die wichtigste Aussage wäre getroffen. Jedoch wäre das dann ein sehr subjektiver und vielleicht etwas kurzer Artikel. Zum Wesentlichen: Google Now ist ein Dienst von, wie der Name schon vermuten lässt, unser aller liebsten kontextsensitiven Werbe-Suchmaschine Google. Eingeführt auf dem Galaxy Nexus im Jahre 2012 sollte Now der Konkurrenz-Assistent zu Apples Knowledge Navigator Siri werden. Mittlerweile konkurriert der intelligente Personal Assistant auch mit Microsofts Cortana. Jedoch unterscheidet sich Google Now in einigen Punkten merklich von den beiden rivalisierenden Produkten.

Sowohl Cortana als auch Siri bieten dem Nutzer diverse Gimmicks, welche nicht unbedingt als produktivitätsfördernd tituliert werden können. So kann man sie nach Witzen, Wortspielen oder auch Gesang fragen und erhält im Gegenzug das geforderte. Google Now jedoch beschränkt sich ausschließlich auf informelle Inhalte und ist keine Unterhaltungsapp. Der Funktionsumfang („Karten“ genannt) beschäftigt sich mit Updates über das aktuelle Wetter, Verkehrs- und Nachrichteninformationen sowie dem Einlesen von wichtigen Informationen aus Emails und Nachrichten.

Google Now und seine intelligenten Karten

Dies ist auch der Punkt, an dem es interessant wird. Viele Leute bringen dem Monster-Konzern Google nicht genug Vertrauen entgegen, um sich darauf einzulassen ihre Emails und Nachrichten durchforsten zu lassen. Hinsichtlich des Datenschutzes ist dies ein wichtiger Punkt. Andererseits ist dies genau das, was Google Now als Assistenten so unfassbar wertvoll macht.

Mittlerweile ist Google Now fester Bestandteil der Google Suchengine und standardmäßig im Google Now Launcher implementiert. Der Dienst erkennt sich wiederholende Aktionen auf einem Gerät (häufig besuchte Orte, sich wiederholende Kalendereinträge, Suchanfragen, etc.), wertet diese aus und gibt für den User relevante Informationen in Form einer „Karte“ aus. Im Januar 2015 hat Google den third-party App Support für Google Now Cards vorgestellt. So können nun auch Google-Fremde Apps wie beispielsweise eBay, The Guardian oder Amazon, aber auch Ladenketten wie The Home Depot, Walmart oder IKEA eigene Karten generieren.

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Semantische Suchsysteme: Knowledge Graph, Satori & Object Answer

Das System hinter Google Now gab den Anstoß zu Googles Knowledge Graph Projekt. Mit jenem versucht Google seit 2012 Suchanfragen in detaillierte Zusammenhänge zu setzen um diese einfacher und vor allem effektiver auswerten zu können.

Knowledge Graph ist ein semantisches Suchsystem und versucht die kontextuelle Bedeutung von Begriffen in einem bestimmten durchsuchbaren Datenraum einzugrenzen um mehr relevante Ergebnisse liefern zu können. Semantische Suchsysteme berücksichtigen verschiedene Punkte. Dazu gehören auch der Kontexts der Suche, die aktuelle Position des Suchenden sowie die mögliche Absicht der Suchanfrage in verschiedenen Variationen – inklusive Synonyme, Verallgemeinerungen und Spezifizierungen der eigentlichen Anfrage.

Google ist nicht der einzige Konzern, der in semantische Suchsysteme investiert hat. Seit 2013 forscht Microsoft an der Satori Knowledge Base, welche in Bing implementiert ist. Yandex hat im Jahr 2015 ihre Knowledge Base namens Object Answer veröffentlicht.

Zur Zeit können folgenden Aufgabengebiete von Google Now Karten erfasst und ausgewertet werden:

  • Aktivitäten (laufen, Rad fahren, Auto fahren)
  • Geburtstage, Termine und Kalendereinträge
  • Bahn-, Flug- und Konzerttickets
  • Rechnungen (auch als angeheftete PDF Datei)
  • Für den User interessante Aktienkurse
  • sich in der Nähe befindenden Sehenswürdigkeiten
  • Hotels, PoI’s und häufig besuchte Orte
  • Filme, Serien und Musik

Google Now on Tap

Dies ist nur die Spitze der Dinge, die Google Now auswerten kann, wenn es vom Benutzer die volle Berechtigung bekommt alles einlesen zu dürfen. Seit Android 6.0 „Marshmallow“ ist zusätzlich noch Now on Tap in Google Now integriert. Mit Now on Tap kann der Nutzer Suchen starten, die sich auf den Kontext der aktuell angezeigten Seite beziehen. Wenn der User den „Home“-Button gedrückt hält oder einen Sprachbefehl gibt, wird der gesamte Textinhalt des aktuellen Bildschirms auf Schlüsselwörter und Informationen, wie Beispielsweise Namen von Menschen, Fernsehprogrammen und Filmen durchsucht. Die dann gesammelten Informationen werden genutzt, um eine Karte zu erzeugen. Diese enthält nun Vorschläge oder Aktionen, welche sich auf den vorigen Inhalt beziehen. Der User kann auch über Sprachbefehle relatierte Fragen über das Thema der Karte stellen.

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Doch weswegen sollte ich Google Now überhaupt aktiv nutzen?

Warum sollte ich diesem kapitalistischen Megakonzern erlauben meine Daten grob anzupacken und sie auszuwringen bis in die Unendlichkeit der absoluten Transparenz, anstatt sie sanft in der Versenkung vermodern zu lassen?

Ganz einfach: Weil Google das sowieso schon macht. Wer heute noch glaubt, dass er getarnt im Schatten der Silicon Valley-Riesen leben kann, der hat seinen Aluhut etwas zu eng geschnürt. Google sammelt nun mal Daten. Google wird auch weiterhin Daten sammeln. Warum sollte man also dieses obsessiv-compulsive Hortungsverhalten des Web-Giganten nicht für sich nutzen?

Google Now: Ein Beispiel anhand eines Tages aus meinem Leben

Es ist Montag. Google weiß, dass ich in Bayern lebe und aktuell keine Schulferien sind. Mein Wecker klingelt. Google weiß, dass er um 6:00 Uhr klingeln muss, da der Bus keine Verspätung hat. Google weiß, dass ich mit dem Bus fahre, da sich mein Standpunkt jeden Morgen an der selben Strecke entlang hangelt. Google weiß, dass ich Bus fahre und nicht Auto, da ich online meine Monatskarte gekauft habe und der Bus an jeder Haltestelle einmal hält. Google weiß von dem Amazon Paket, das ich vor zwei Tagen bestellt habe und das heute nach der Schule zu Hause ankommen soll. Google weiß auch, dass ich wahrscheinlich nicht früh genug zu Hause sein werde, um mein Paket entgegen zu nehmen. Zum Glück weiß Google, dass die Poststelle heute am Nachmittag geöffnet hat. Google weiß, dass ich nach der Schule noch einen Arzttermin habe und das der Verkehr bis dorthin furchtbar ist. Google sucht eine Route, um mich auf schnellstem Wege zum Arzt zu bringen. Google weiß, dass ich noch nie bei diesem Arzt war und zeigt mir die Online-Rezensionen von eben diesem. Auf dem Weg aus der Arztpraxis beginnt es zu regnen. Zum Glück wusste Google, dass ich einen Regenschirm mitnehmen musste. Google weiß, dass der Bus 12 Minuten Verspätung hat – aufgrund der schlimmen Verkehrslage. Google weiß auch, dass ich mich in der Nähe zu meinem Lieblings-Dunkin‘ Donuts befinde. Google weiß, dass ich über die Dunkin‘ Donuts App heute einen Maple Syrup Donut umsonst bekomme. Google weiß, dass ich sicher zu Hause angekommen bin und dass ich nicht eine Haltestelle früher ausgestiegen bin, um noch einkaufen zu gehen. Google rätselt. Bedeutet das, dass ich heute Abend eine Pizza bestellen werde, da nichts mehr im Kühlschrank ist? Möglich wäre es. Google hält sich alle Optionen offen und erstellt vorsichtshalber eine Now Karte, mit dem neuesten Pizza.de-Gutschein aus meinem Postfach. Google weiß ja schließlich, dass ich auf dem Kontoauszug, der im Posteingang lag, noch Geld hatte. Google weiß, wann ich eingeschlafen bin, weil mein Mi Band mit Google Fit synchronisiert ist. Google weiß, dass ich morgen eine Stunde länger schlafen kann, weil ich Dienstags immer zur dritten Stunde habe. Google weiß es – und das ist meistens auch gut so.

Und wie hast Du’s mit dem Datenschutz?

Ich kann verstehen, dass es Menschen gibt, die an die Anonymität im Smartphone-Zeitalter glauben. Vielleicht sehe ich das auch etwas zu engstirnig und diese Anonymität ist tatsächlich noch irgendwo vorhanden. Es gibt Menschen, die nicht wollen, dass ihre Daten rund um die Uhr aufgezeichnet werden. Ich kann auch verstehen, dass es in der anderen Richtung Menschen gibt, die sagen, dass ihnen Privatsphäre egal ist, weil sie nichts zu verstecken haben. Das ist meiner Meinung nach kein gutes Statement. Ein kluger Mann hat einmal gesagt:

Arguing that you don’t care about privacy because you have nothing to hide is no different than saying you don’t care about free speech because you have nothing to say. – Edward Snowden

Privatsphäre ist ein sehr hohes Gut. Ich persönlich würde mich selbst irgendwo in der Mitte einordnen. Ich weiß, dass mein Dasein im Internet, auf Twitter und auch durch Google sehr transparent ist. Es gibt aber trotzdem Grenzen. Wo man selbst diese Grenzen zieht, muss jeder für sich entscheiden. Wer locker mit seiner Privatsphäre umgeht, kann durch Dienste wie Google Now sehr profitieren. Er kann auf der anderen Seite aber auch schnell und hart auf die Schnauze fliegen. Was mich betrifft: Ich liebe das Prinzip hinter dem Dienst. Ich liebe es, für mich wichtige Informationen auf dem Silberteller präsentiert zu bekommen und ich bin bereit für diesen Luxus meine Daten mit Google zu teilen. Und das weiß Google.

Headerbild: Screenshot Google Now

Jonas Riedmann

Abiturient, Nerd, Freigeist und gerade auf der Suche nach einem beruflichen Weg in die Online-Marketing-Welt. Mein Leben auf twitter: https://twitter.com/z4pp3d

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